Erkenntnisse unseres Bürgerrates OPEN.HERZ
“Wir müssen mehr miteinander reden – und solche Formate weiter nutzen.“
Vielleicht ist genau dieser O-Ton einer Teilnehmenden die wichtigste Erkenntnis unseres Bürgerrates OPEN.HERZ.
Am Mittwoch, dem 26.08.2026, haben wir in Herzberg (Elster) mehr als 33 Menschen zusammengebracht, die sich vorher zum großen Teil nicht kannten und die unterschiedliche Generationen, Lebenssituationen und Perspektiven unserer Stadt vertreten.
Die Ausgangsfrage klang zunächst nach Daten und Digitalisierung: Welche Daten braucht eine lebenswerte Stadt?
Doch im Laufe des Abends wurde schnell deutlich: Es geht um viel mehr. Es geht darum, was Menschen in ihrem Alltag bewegt, welche Informationen ihnen fehlen, welche Entwicklungen sie besser verstehen möchten und wie Verwaltung ihre Entscheidungen transparenter und bedarfsgerechter treffen kann.
Einen spielerischen Einstieg ermöglichte uns Angela Berger vom Civic Data Lab mit Data Heroes. Beispiele wie Gieß den Kiez, Bienenbeobachtung mit Sensorik, Demokratiewegweiser oder Seniorennetzwerke zeigten, wie Daten ganz konkrete gesellschaftliche Fragen unterstützen können – und führten direkt zur Frage: Was davon funktioniert auch in einer Kleinstadt wie Herzberg und ihren Ortsteilen?
Danach wurde es konkret: Unser Open-Data-Manager Charles Nguenkam zeigte, wie wir Herzberger Daten zu Bildung, Bevölkerung und Mobilität strukturieren. Leonard Higi von der University of Applied Sciences Potsdam gab als Kooperationspartner Einblick in MOSIDI und die Möglichkeiten, kommunale Daten besser nutzbar und sichtbar zu machen.
Danach haben wir kommunale Daten aus Herzberg betrachtet und an fünf Thementischen diskutiert: Mobilität | Familie & Bildung | Natur & Klima | Verwaltung | Datengeschichten
Dabei entstanden sehr konkrete Hinweise.
Bei der Mobilität ging es beispielsweise um sichere Radwege, ÖPNV-Verbindungen, Erreichbarkeit, Parken und die Frage, wie Verkehrs- und Mobilitätsdaten tatsächlich als Entscheidungsgrundlage genutzt werden können.
Bei Natur & Klima standen Starkregen, Niederschlags- und Temperaturdaten, Grünflächen, Bäume, öffentliche Wasserspeicher und die Frage im Mittelpunkt, welche Orte bei Hitze besonderen Schutz benötigen.
Bei Familie & Bildung wurde deutlich, wie wichtig aktuelle und leicht auffindbare Informationen zu Schulen, Angeboten, Veranstaltungen, Generationenaustausch und Unterstützungsstrukturen sind.
Beim Thema Verwaltung ging es nicht nur um Digitalisierung. Gewünscht wurden verständliche Informationen, bessere Orientierung, nachvollziehbare Zusammenhänge und gleichzeitig weiterhin persönliche Ansprechpartner. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis: Digitalisierung ersetzt nicht den persönlichen Kontakt.
Und die Datengeschichten zeigten, wie vielfältig die Fragen hinter Daten sein können: Wo gehen junge Menschen hin? Wie entwickeln sich Leerstände? Welche Orte werden genutzt? Wo fehlen Informationen? Was erzählen Daten über Sicherheit, Freizeit, regionale Angebote oder das Leben in unserer Stadt?
Genau hier liegt eine der wichtigsten Erkenntnisse: Daten allein machen noch keine gute Stadt. Erst wenn wir Daten mit den Erfahrungen der Menschen verbinden, werden daraus Informationen. Und erst wenn wir miteinander darüber sprechen, können daraus Prioritäten und bessere Entscheidungen entstehen.
Das ist auch die Idee hinter OPEN.HERZ: Nicht möglichst viele Datensätze veröffentlichen, sondern herausfinden, welche Fragen wir beantworten wollen, welche Daten dafür wirklich gebraucht werden und wie daraus dauerhaft bessere Entscheidungen entstehen können.
Genau diese Ergebnisse und Leitziele fließen nun in unsere Datenmodelle und den Umsetzungsplan ein. Über das Datendashboard unserer Projektwebseite, MOSIDI und die digitale Infostele auf dem Marktplatz sollen sie bis zum Jahresende sichtbar und nutzbar werden.
OPEN.HERZ ist ein Kooperationsprojekt der Stadt Herzberg (Elster) und der University of Applied Sciences Potsdam, gefördert über Land.OpenData im Bundesprogramm BULEplus.
Besonders gefreut haben sich die Bürger/innen, dass zum Abschluss auch Bürgermeister und Frau Jacobi als Vertreterin der Politik dazukamen – zunächst zum Zuhören, anschließend zum gemeinsamen Austausch.
Was bleibt? Daten allein machen noch keine lebenswerte Stadt. Menschen tun es. Daten können aber helfen, ihre Bedarfe sichtbar und Entscheidungen transparenter zu machen. Und auch das nehmen wir aus unserem inzwischen fünften losbasierten Bürgerrat mit: Wir können dieses Format nur weiterempfehlen. Der Aufwand lohnt sich. Das Los bringt Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären, schafft Gehör, gegenseitige Wertschätzung und Raum für unterschiedliche Perspektiven. Und deshalb bleibt es nicht bei diesem Abend: Wir haben versprochen, wieder einen Raum für dieses Miteinander zu schaffen.
Und vielleicht schließt sich damit ein Kreis: Mehr Demokratie e.V. berichtet aktuell unter der Überschrift „Herzberg hört zu“ darüber, dass Herzberg losbasierte Bürgerräte dauerhaft im Ortsrecht verankert hat.
Oder, wie es eine Teilnehmerin viel einfacher und treffender formuliert hat: „Wir müssen mehr miteinander reden – und solche Formate weiter nutzen.“
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