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Herzberg Rathaus

Im historisch gewachsenen Stadtzentrum der Kreisstadt Herzberg, am Schnittpunkt zweier wichtiger ehemaliger Verkehrs-, Pilger- und Wanderwege, (von Jüterbog/Wittenberg nach Meißen Dresden und von Torgau/Prettin zur Lausitz) erheben sich zwei dominierende Bauwerke: die spätgotische Stadtkirche St. Marien und in der Nachbarschaft das Renaissance-Rathaus, dessen Formen und Stilelemente der Spätrenaissance bei zahlreichen Um- und Ausbauten, bei Renovierungen und Sanierungen geringen Veränderungen unterworfen waren.

 

Der Baumeister des Rathauses sowie dessen Einweihung konnten von der kunst-geschichtlichen Forschung bisher nicht eindeutig definiert werden.

 

Das Rathaus wurde 1616/17 erbaut, seine Einweihung fand am 13. November 1616 (nach Konrektor A. Voegler) oder 1617 (nach J. Ch. Schulze, Stadtchronist und Ratsdiener) statt.

 

Kirche KircheSt.

 

Die Baumeister des Rathauses sind bisher nicht bekannt. Jüngere Ausgrabungen haben festgestellt, dass vor 1616 die Bürger der Stadt andere Gebäude (in ehemaligen Klosteranlagen, am Markt und in der "Mönchgasse") nutzten.

 

Ein Vorgängerbau konnte auf dem Standort des heutigen Rathauses bei Ausgrabungen ermittelt werden. Die Annahme, dass das heutige Rathaus auf den Fundamenten eines Klosters errichtet wurde, konnte bisher nicht bestätigt werden, ebenso die sagenhafte Annahme, das unterirdische Gänge das Rathaus mit den Klosteranlagen in der "Klostergasse", "Mönchgasse" und dem "Plan" verbunden haben.

 

Nachrichten über die Vorgänger des heutigen Rathauses befinden sich im eisernen Depositenkasten der "Ehemaligen Chur- und jetzigen Königlich Preußischen Kreisstadt Herzberg". Die Urkunde und Dokumente umfassen einen Zeitraum von 1278 - 1825. Die erste Nachricht über ein Vorgängerrathaus stammt aus dem Jahr 1334.

 

Rathaus

 

Rathaus Wappen

Wappen über dem Rathausportal

Im Laufe der Jahrhunderte wurden am heutigen Rathaus und seinen Vorgängern zahlreiche Veränderungen vorgenommen. Schon kurz nach der Einweihung des Rathauses (1618/19 erhielt der über dem Haupteingang mittig angeordnete Zwerchgiebel eine Uhr. Der Uhrmeister hieß Sebastian Fram und kam aus Torgau. Schon 1706 musste sie erstmals repariert werden. Sie ist noch heute in Funktion und ein Meisterwerk seines Schöpfers.

 

Zeugen der "deutschen Spätrenaissance" sind das Zwerchhaus mit seinem Dreiecksgiebel (geschweift) und die Schweifgiebel der Ost- und Westseite des Rathauses (mit Gesimse und Dreizonengliederung).


Das in einem langgestreckten Grundriss aufgebaute Rathaus ist (nach J. Ch. Schulze) 57 Schritte lang und 20 Schritte breit. In einem Plan von 1848 gibt der Herzberger Maurermeister Michaelis folgende Maße an:

Länge des Gebäudes - 42, 4 m, Breite: - 14,5 m und Firsthöhe - 18 m.

 

Nach 1617 entstanden im neuen Rathausgewölbe und Buden für den Warenvertrieb, die von der Krämerinnung genutzt wurden. Die Gewölbe standen den Goldschmieden, den Fleischhauern, Bäckern, Schuhmachern und Tuchmachern zur Verfügung. Im Obergeschoss legten die Tuchmacher ihre Stoffe für die Käufer im Gewandsaal aus. Hier befand sich auch die gewölbte Ratsherren- und Richterstube. Der Dachboden stand der Kürschnerinnung zur Verfügung.

 

Nach altdeutscher Sitte und Recht mussten Brot, Fleisch, Maße und Gewichte in den Bänken, Buden und Gewölben unter den Augen der Obrigkeit ihren Ort haben. So erfanden Kellerbereich (1703) die Stadtwaage, der Salzschrank, die Garküche und der Weinschrank. Die Ratswaage oblag der Aufsicht des Ratswiegemeisters. Sie wurde später mit dem Salzschrank, dem Weinschrank und dem Kleingeleite an den Pächter des städtischen Ratskellers verpachtet. Die 1703 eingerichtete Accis-Stube wurde 1820 zur Polizei Expedition. Nachdem am 30. Oktober 1816 Herzberg Kreisstadt im neuen Landkreis Schweinitz (Preußische Provinz Sachsen) geworden war, richtete man nach Umbauten im Rathaus das neue Landrats- und Gerichtsamt ein. Damit verlor der Stadtmagistrat die Befugnis, die "obere und niedere Gerichtsbarkeit" auszuüben. In dieser Zeit waren alle Innungen aus dem Rathaus ausgezogen, nur die Bäcker hatten noch Verkaufsbänke im Flur des Rathauseinganges.

 

Am 26.03.1817 wurde Herzberg Preußische Garnisonsstadt (3. Bataillon des 32. Landwehr- integrieregiments und eine Eskadron-Landwehrkavalerie), die durch eine Hauptwache im Rathaus vertreten war.

 

Gravierende Baumängel machten in den Jahren 1826-1828 eine Grundsanierung des Rathauses notwendig. So wurden Senkungserscheinungen im Ostgiebel, Mauerrisse, morsche Dachbalken und defekte Schornsteine in Ordnung gebracht und das Dach und ein Stützpfeiler erneuert. Von 849-1853 kam es erneut zu umfangreichen Umbauten und Sanierungen. Der Treppenvorbau mit der Außentreppe wurde entfernt, die Überdachung der Ratsstiege beseitigt und im Inneren des Rathauses ein Mittelflursystem geschaffen. Die beiden Ost-West-Giebel erhielten ihre geschwungene Zierform.

1880 wurden die Räume des Landratsamtes im Rathaus aufgegeben, da in der "Schliebener Gasse" ein neues Amt entstanden war. Das Amtsgericht bestand im Rathaus bis 1945. Bis 1838 waren in den Hofgebäuden des Rathauses auch die Feuerwehrspritzen und -geräte untergebracht, ebenso das Waffenarsenal der Stadt. In der Commissionsstube des Rathauses lagerten 1837/38 noch 18 Flinten, 2 Trommeln und 2 Feldstücke (kleine Kanonen).


1870 nahm die "Königliche Kreiskasse" und 1872 die Herzberger Stadtsparkasse im Rathaus ihre Tätigkeit auf. 1886 wurden wieder Instandsetzungsarbeiten notwendig (Rathausdach und Ratskeller). 1 Jahr später stellte man vor dem Haupteingang das Germaniadenkmal auf, das nach 1935 zwischen Rathaus und Stadtkirche seinen Platz fand und nach der Wiedervereinigung (1993) vor dem Ostgiebel einen ansehnlichen Platz bezog.

 

1919, nach dem 1. Weltkrieg, erfolgten Umbauten, die eine neue Raumaufteilung im Rathaus ermöglichten, Zwischen 1937 und 1939 kam es zu umfangreichen Arbeiten am Rathaus, die unter der Leitung der beiden Diplom-Ingenieure Kramer und Müller (aus Magdeburg) standen. Der Gebäudesockel erhielt neue Sandsteinplatten 8 Wesersandstein) und die Treppen neue Stufen aus Langhennersdorfer Sandstein. Im Ratskellerbereich schuf man eine Wohnung für den Ratskellerwirt, eine hölzerne Sitzgelegenheit auf dem Bürgersteig vor dem Ratskellereingang und verbesserte die Hofgebäude (Toiletten, Waschküche, automatische Wasserversorgung, Abwasseranschluss).

Das Gesamtbild des Rathauses wurde durch den neuen hellen Außenputz vorteilhafter verändert. Die Tür des Rathauses Korbbogenportal) erhielt eine neue Wesersandsteinrahmung. Oberhalb des Schlusssteines brachte das Bildhaueratelier Hermann Habs das Hirschwappen der Stadt Herzberg mit den bedeutendsten Daten der Baugeschichte des Rathauses (1617, 1826, 1839 und 1939 an. Der Turm erhielt einen Zinkbeschlag und das Hauptdach wurde in Altdeutscher Deckung gedeckt. 46500 Biberschwänze erneuerten das gewaltige Doppeldach und Fledermausgauben erinnerten an alte historische Vorbilder. Wetterfahnen, ein neues Zifferblatt für die Uhr und andere Zierteile stellte der bekannte Schlossermeister Reinhold Krüger her. Die Knaufkugel wurde wieder vergoldet.

 

In der DDR-Zeit baute man die "Konsumgaststätte Ratskeller" um und 1983/84 wurde das Rathaus für die Feierlichkeiten zur 800-Jahrfeier der Stadt Herzberg umfangreich renoviert und saniert. Es erhielt einen neuen Außenputz die Schmuckgiebel des Zwerchgiebels und der Ost- und Westseite wurden mit neuen Blechen abgedeckt, der Dachreiter ausgebessert, das Zifferblatt der Uhr erneuert und neue Verbundfenster und Türen eingesetzt.

 

Die vorerst letzte Gesamtsanierung des Rathauses - Baustil Spätrenaissance - wurde am 10.01.1994, im Rahmen der Erhaltung historischer Stadtkerne, begonnen und am 15. Juni 1996 mit der Nutzungsübergabe abgeschlossen.

 

Maßnahmen:

Grundmauernsanierung und Stabilisierung, Mauerwerkstrockenlegung; Sanierung und Bestandserhaltung der Dachkonstruktion, Teilsanierung des Nebengebäudes zur öffentlichen Toilettenanlage mit Behinderten -WC , Einzug einer Stahlbetondecke über OG aus brandschutztechnischen Gründen, teilweise Erneuerung der Fußböden, Aufarbeitung der Fenster/Außen - und Innentüren, Fassadensanierung komplett, Erneuerung der Dacheindeckung, Nutzungsfähigkeit des Dachraumes / Ausbau des Dachgeschosses, Installierung von Toilettenanlagen.

 

Im Gebäude, Herstellung der Kellerräume zu Nutzräumen bzw. Gaststätte, behindertengerechte Nutzung: - Einbau eines Fahrstuhles, Herstellung einer Rampe, Einbau einer neuen Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektroanlage, komplette malermäßige Instandsetzung, Sanierung/ Aufarbeitung denkmalpflegerischer Details (Bürgermeisterzimmer, Eingangsportal, Kreuzstockfenster im Treppenhaus, Fledermausgauben, Türen, Rathausuhr) sowie Einarbeitung brandschutztechnischer Maßnahmen (Rauchabzug, rauchdichte Treppenhaustüren, feuerbeständige Decke).

 

Rathaus Rathaus2

Quelle:

Bauunterlagen Bauamt Herzberg Historischer Lehrpfad der Kreisstadt Herzberg/E. Febr. 1996